Archive | Mai, 2015

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Portrait: Dirk Lienig

Posted on 15 Mai 2015 by b.s.m.

Es musste für Dirk Lienig, einem künstlerischen Allround-Talent und seit diesem Jahr Mitglied im Filmverband, schon die ganz große Runde sein, bevor er in seine Heimatstadt Hoyerswerda zurückkehrte. Als er achtzehn Jahre alt war, ging er nach Leipzig an die Ballettschule, danach als Tänzer und Choreograph nach Schwerin. Es kamen erste Berührungen mit der Foto- und Filmkamera, immer wieder Aufenthalte in Australien, Mittelamerika und in Europa. In Berlin war er dann freier Choreograph, Tänzer und Regisseur, Autor und Kameramann seiner eigenen Dokumentarfilme. Die Festivalauswertung einer dieser Dokumentarfilme führte ihn nach Sydney, von wo aus er nach zwei Jahren schließlich nach Hoyerswerda zurückkehrte.

Ein großer Fisch im kleinen Teich Hoyerswerda

Le Sacre du Printemps, Dreharbeiten, Foto: Rico Hofmann

Le Sacre du Printemps, Dreharbeiten, Foto: Rico Hofmann

Seit 2009 konzipiert Dirk Lienig nun Projekte mit und in der Kulturfabrik. Seine unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten weiß er dabei gut zu verschränken. Sie bieten ihm großartiges Potenzial für neue Projektideen.

Von dem Wohngebiet, in dem er aufwuchs, sind nur noch Straßen und Parkbuchten inmitten einer grünen Wiese übrig. Kein Wunder, Hoyerswerda hat in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren eine beispielhafte demografische Entwicklung erlebt. Die Stadt verlor mehr als die Hälfte ihrer Einwohner. Nach wie vor zieht es vor allem junge Menschen weg von hier. Kann man sich dem entgegenstellen? Lienigs Antwort:

„Bildet Banden. Das ist das, was ich immer mit meinen Kunstprojekten versucht habe – sich gruppieren und zusammenfinden. Die einfache Alternative leben, versuchen neue Formen von sozialem Zusammenleben auszuprobieren.“

Seit Anfang des Jahres betreibt Dirk Lienig das Tanzprojekt ,Eine Stadt Tanzt ,Le Sacre‘. In vierter Auflage des Projekts beschäftigen sich in diesem Jahr 74 Hoyerswerdaer im Alter zwischen 7 und 72 Jahren mit Sergej Rachmaninows Aufbruchswerk der Moderne ,Le Sacre du Printemps“. In mehrmals wöchentlichen Arbeitsproben choreographiert und entwickelt Dirk Lienig ein generationsübergreifendes, sehr persönliches Tanzprojekt:

„Ich sage zu ihnen, dass sie gleichzeitig Autoren sind. Ihr erzählt eure Geschichten. Ihr seid selbst die Darsteller.“

Nach der Premiere am 13.6. im ehemaligen Centrum-Warenhaus der Stadt wird nun intensiv an der Dokumentation gearbeitet. „Wir haben angefangen die Tänzer zu interviewen, welche Wünsche sie als Kinder hatten (…), wie sie sich in den einzelnen Stadien abgerieben haben und was davon übrig geblieben ist. Das ist der Erzählstoff.“

Im einstigen Kaufhaus werden Spielsettings aufgebaut, in denen sich die Protagonisten als Kind gegenübertreten. Lienig: „Ich versuche immer Leute aktiv werden zu lassen. Nicht, dass die immer nur konsumieren oder nur Darsteller sind, sondern sich auch mit ihrem Ich einbringen.“

Das sind die Grundsätze in Dirk Lienigs Arbeit. Er hofft, ,dass diese Ansammlung von vielen kleinen Versuchen zu einer Kultur führt, über die auch Politik definiert werden kann. Wichtige Veränderung kommt aus solchen Aktionen, (…) durch sie erhoffe ich mir langfristig eine Kultur, die wächst und neue Formen von Alternativen zulässt. Keine Ahnung, ob das funktioniert, aber das andere funktioniert nicht, das weiß ich!“ •

EINE STADT TANZT

Dirk Lienig  c/o Kulturfabrik Hoyerswerda

www.dirk-lienig.de/work/stadttanztsacre

Der Text »Dirk Lienig« ist von Claudia Reh und im AUSLÖSER 4/ 2014 erschienen.

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12. Neiße Filmfestival – Preisträger 2015

Posted on 11 Mai 2015 by b.s.m.

Das deutsch-polnisch-tschechische Neiße Filmfestival geht im Mai in zehn Orten und 16 Kinos im Dreiländereck in die zwölfte Runde. Continue Reading

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Portrait: Katrin Westerhausen – Mit Kopf und Koffer

Posted on 10 Mai 2015 by b.s.m.

Das Atelier von Katrin Westerhausen, Maskenbildnerin aus Dresden, erscheint als eine Mischung aus Frankenstein-Werkstatt und Continue Reading

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Portrait: Jan Hasenfuß

Posted on 09 Mai 2015 by b.s.m.

So äußerte sich zumindest einer seiner ehemaligen Klassenkameraden – und tatsächlich ist aus ihm ein nennenswerter junger Schauspieler geworden. Aus Hamburg kommend, entschließt sich der „Wossi“ zu einem Studium an der HFF Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg von 2003 bis 2007 und knüpft noch im selben Jahr mit einem Festengagement am Staatstheater Cottbus bis 2011 an. Continue Reading

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Über Filme und Freunde

Posted on 08 Mai 2015 by b.s.m.

Ohne Worte kommt kein Film auf die Welt: Schauspieler reden in einer Sprache, die sich ein anderer für sie ausgedacht hat. Das Gerüst der Handlung entsteht durch die Inspiration eines Drehbuchautors. Oft tritt dieser mit Beginn der Dreharbeiten in den Schatten, weil jetzt ein Team den Entscheidungen der Regie folgt. Die Welt ist voll von enttäuschten Filmautoren. Wolfgang Kohlhaase ist keiner.

Er ist Jahrgang 1931, Berliner, geschätzt und respektiert vor der Wende und nach der Wende. 23 Kinofilme, zwölf Fernseh- und Dokumentarfilme. Häufig kommen ihm Drehbuchangebote ins Haus. Manche macht er mit Sorgfalt zu seiner Sache, viele lehnt er ab, weil er sich für ein Thema nicht zuständig fühlt oder nicht genug Vergnügen verspricht. Er überlegt sich gut, mit wem er Filme macht – zuletzt mit Clemens Meyer (Romanvorlage) und Andreas Dresen (Regie): „Als wir träumten“ läuft im Wettbewerb der Berlinale 2015.

9783355018258

„Filme machen ist gesellig, im Guten wie im Bösen.“ Der Satz steht im Buch „Um die Ecke in die Welt“. Wolfgang Kohlhaase hat deutsche Filmgeschichte, aber keine Autobiografie geschrieben. Der Filmhistoriker Günter Agde konzentrierte sich auf ein Nebenwerk: auf Reden, die Kohlhaase hielt, und auf Texte, die keine Filme werden sollten. Es muss Arbeit gemacht haben, das Material – über Jahrzehnte und zwei Gesellschaftsordnungen in Archiven und privaten Schubladen
verstreut – überhaupt zu finden.

Das Buch teilt Kohlhaases Schreiberleben in zwei Hälften: Die erste, die öffentliche, sind Gedanken über eigene und fremde Filme, es sind Danksagungen wie die für den Goldenen Bären und den Deutschen Filmpreis oder Interviews. Die zweite, die privatere Stimme, spricht über Freunde, oft bei Trauerfeiern. Beide Sammlungen folgen der Chronologie. Man sollte das Buch von vorne nach hinten lesen. Wer nur blättert, wird um den Gewinn gebracht, der Entwicklung der Sprache und der historischen Bilanz von Kohlhaase zu folgen. Bei Kriegsende ist er vierzehn. Er schreibt „Volontör“ – er hat das Wort nur ungefähr im Ohr – als er 1947, mit sechzehn Jahren, eine Bewerbung an alle
Berliner Zeitungen schickt.

Der „Start“, eine Jugendzeitschrift – der Chefredakteur ist 24 – nimmt den rothaarigen Jungen in blau gefärbten Militärhosen, druckt seine Geschichten und Filmkritiken. Agde hat Beispiele für Kohlhaases freche Phase aufgenommen, wie die über „Der Engel mit der Posaune“ mit Paula Wessely: „Im Laufe des Films wird sie fast achtzig Jahre. Dem Zuschauer wird die Zeit nicht ganz so lang.“ Aber da schreibt einer auch schon mit tiefem Ernst, wie bei Wanda Jakubowskas Film „Die letzte Etappe“ über die Frauen im KZ Auschwitz.

Günter Agde hat Reden von Wolfgang Kohlhaase auf DDR-Filmkongressen und ähnlichen Veranstaltungen in das Buch aufgenommen. Man liest sie immer noch mit Gewinn. „Denken geht wie Licht in alle Richtungen.“ „Kleine Vorgänge können Großes vermelden.“ „Wer genau hinsieht, bringt nicht nur frohe Kunde.“, „Mittleres Talent ist seiner Achtung wert. Mittleres Gewissen nicht.“ Es sind Sätze gegen die Phraseure aus verschiedenen Zeiten. Am besten lernt der Leser den Autor bei den Texten über Menschen kennen, denen er nahe stand. Der über seinen Vater ist der schönste. Sein Sohn wünschte ihm am Grab, „dass man einmal zur Probe leben könnte und dann noch mal
richtig“.

Der Text ist von Regine Sylvester und im AUSLÖSER 1/ 2015 erschienen.

Wolfgang Kohlhaase, „Um die Ecke in die Welt. Über Filme und Freunde“.
Herausgegeben von Günter Agde, Verlag Neues Leben, 2014, 332 Seiten, 19,99 Euro

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Portrait: »Location Service« in Mitteldeutschland

Posted on 06 Mai 2015 by b.s.m.

In den USA gehören Locationscouts schon lange zum festen Bestandteil der Filmbranche.
In Deutschland setzte sich der Beruf aber erst in den 1990er-Jahren langsam durch. Im September
2010 gründete sich der Bundesverband Locationscouts (BVL). Continue Reading

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Das Nadelöhr des Filmemachens

Posted on 05 Mai 2015 by b.s.m.

Die freie Filmemacherin Maria Mohr im Interview mit Heiko Hilker

Wie ist die Idee für die Initiative entstanden?

Ein Artikel in der black box vor zwei Jahren war der Anlass. In dem Branchenblatt, das von Ellen Wietstock herausgegeben wird, fanden sich alarmierende Zahlen zu den Förderergebnissen zweier großer deutscher Filmförderungen im Herbst 2012: Bei insgesamt 47 geförderten Kinoprojekten war die Regieposition ausschließlich männlich besetzt. Bei den im Jahr 2013 vom DFFF geförderten Projekten waren von insgesamt 115 nur 13 von Regisseurinnen, bezogen auf die Budgets gingen von 62,5 Mio. Euro nur 6 Mio. an Projekte unter weiblicher Regie.

Maria Mohr, Filmemacherin, Foto: Andrea Kroth

Maria Mohr, Filmemacherin, Foto: Andrea Kroth

Davon aufgeschreckt, untersuchten die Regisseurinnen Annette Ernst, Katinka Feistl, Imogen Kimmel und Tatjana Turanskyj auch die Lage bei der Auftragsvergabe durch Fernsehredaktionen, die in Deutschland ja das Nadelöhr des Filmemachens sind: In den letzten zehn Jahren wurden weniger als 15 Prozent der Regieaufträge im Fernsehen an Frauen vergeben. Dabei liegt der Frauen-Anteil unter den Absolvent*innen der deutschen Filmhochschulen bei 42 Prozent. Um auf diesen Missstand hinzuweisen und Maßnahmen zu seiner Behebung zu finden, haben die vier Initiatorinnen weitere Mitstreiterinnen gesucht, und so gründeten wir dieses Jahr die Initiative „ProQuote Regie“, angelehnt an den Verein „ProQuote“ der Journalistinnen.

Was hat für sie den Ausschlag gegeben, bei einer solchen Initiative mitzumachen?

Ich bin seit der Berlinale 2014 mit im Boot. Schon früher habe ich mich frauenpolitisch engagiert, unter anderem als nebenberufliche Frauenbeauftragte in der Universität der Künste, wo ich Film studiert habe. So beschäftige ich mich schon lange mit den Mechanismen, durch die Frauen (meist unterbewusst) diskriminiert werden – und es ist nur konsequent, dass ich das auch im Filmbereich tue. Zum anderen bin ich Vorsitzende der Auswahlkommission für die kulturelle Filmförderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Bereich programmfüllender Spiel- und Dokumentarfilm (Produktion A) und Drehbuchförderung.

Seit 2011 gehöre ich zu dieser Jury und je mehr Einreichungen ich lese, je mehr Diskussionen ich erlebe, umso mehr Fragen drängen sich auf: Warum brauchen Frauen durchschnittlich länger, ihre Projekte finanziert zu bekommen? Warum liegen ihre Budgets meist im unteren Bereich der Skala? Warum
arbeiten sie selten mit den ganz großen Playern im Film-Business zusammen? Warum haben sie größere Schwierigkeiten, ihren zweiten oder dritten Film zu machen? Warum werden ihnen Schwächen im Drehbuch seltener verziehen als ihren männlichen Kollegen? Und warum enthalten gleichzeitig fast 40 % der Drehbücher Szenen mit halb bis nicht bekleideten Frauen? Wohl, weil Frauen immer noch eher als Muse denn als Genie gesehen werden! Warum wird einer Frau fast nicht zugetraut, ein 10-Millionen-Budget zu stemmen? Warum wird ihr seltener zugetraut, einen (kommerziell) erfolgreichen Film zu machen?

Regie ist eine Führungsposition. Und dass Frauen in Führungspositionen allgemein unterrepräsentiert sind, ist leider alles andere als neu.

Neu ist, dass sich nun auch aus der Wirtschaft die Stimmen mehren, dass unsere Gesellschaft nur dann erfolgreich in die Zukunft gehen könne, wenn ihre innere Diversität sich auch nach außen abbilde. Wenn ich Kino-, Festival- und Fernseh-Programme wälze, sind Frauen als Regisseurinnen (auch als Produzentinnen und Kamerafrauen) immer noch deutlich in der Minderheit. Das darf so nicht bleiben, wenn uns unsere Demokratie etwas wert ist.

Welche nächsten Schritte verfolgen Sie?

Wir müssen an den Bedingungen der Arbeitsmöglichkeiten für Frauen in Filmberufen ansetzen! Wir brauchen eine umfassende soziologische Studie zu Werdegang und beruflicher Situation von Regisseurinnen sowie zur Vergabepraxis von Sendern und Fördergremien unter genderspezifischen Gesichtspunkten.

ProQuote Regie fordert eine paritätische Besetzung der Entscheidungsgremien aller Filmförderungen und eine Quote für die Vergabe von Regieaufträgen im Fernseh- und Filmbereich: 30% in 3 Jahren, 42% in 5 Jahren (entsprechend dem durchschnittlichen Anteil von Frauen, die ein Regiestudium abschließen) und 50% in 10 Jahren. Eine Quote ist nie „schick“, aber sie ist das einzige politische Instrument, das sich für brauchbar erwiesen hat, da bei einem Verteilungskampf – und das ist es – alle freiwillige Selbstverpflichtung ins Leere läuft.

Wie reagiert die Branche darauf?

Auf die von uns veröffentlichten Zahlen hat die Branche schockiert reagiert. Einigen ist bewusst, dass es Frauen – wie in anderen Berufsfeldern auch – tendenziell schwerer haben, Projekte von großem ökonomischen Gewicht realisiert zu bekommen. Doch dass die Kluft zwischen Männern und Frauen so groß ist, dass beispielsweise nur 11 Prozent der Regiearbeiten für das Abendprogramm des Fernsehens von Frauen stammen, hat viele überrascht. So haben mittlerweile 230 Regisseurinnen und über 160 weitere Unterstützer*innen aus der Filmbranche unseren Aufruf unterschrieben.

Wir haben einen Verein gegründet und seit unserem Gang in die Öffentlichkeit hat sich schon viel bewegt:
Alle namhaften Medien haben über unsere Initiative berichtet. Vor dem Schritt nach draußen haben wir auch wichtige Vertreter*innen aus den Bereichen Filmförderung, Fernsehsender und Kulturpolitik angeschrieben, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen über unsere Anliegen und auch über die Möglichkeiten und Schwierigkeiten, die sie selbst sehen, wenn es um Frauen, Film und Geld geht – denn es geht um viel Geld, öffentliche Gelder! Die Reaktionen waren bisher vorwiegend positiv, viele Gesprächstermine stehen nun an. Interessant ist, dass sich die Vertreter*innen der Sender bisher
noch zurückhalten …

Sehr erfolgreich waren wir im Bereich Politik. Dank unserer Gespräche mit den Grünen, hat Ulle Schauws (BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN) am 6.11.2014 den Antrag „Grundlagen für Gleichstellung im Kulturbetrieb schaffen“ im Bundestag zur Abstimmung gebracht – unter Beifall der Linken und begleitet von großer Sympathie der SPD, die als direkte Antwort auf den Antrag eine Anhörung im Kulturausschuss auf den Weg bringen möchte. Selbst aus der CDU gab es Signale dafür, dass sie das Thema ernst nehmen und politischen Handlungsbedarf sehen.

Am 10. November hat der Bundesverband Regie eine Studie veröffentlicht mit dem Titel „Erster Regie-Diversitätsbericht des BVR 2010-2013“. Die dort veröffentlichten Zahlen bestätigen alle stichprobenartigen Erhebungen, die „ProQuote Regie“ zuvor zusammengetragen hatte. Diese Statistiken sind wichtig, denn „viele Redaktionen und Produktionsfirmen sind sich aufgrund eines fehlenden Diversitäts-Monitorings bisher nicht über die niedrige Beschäftigungsrate von Regisseurinnen in den eigenen Serien, Reihen und Fernsehfilmen bewusst“, ist auf der Internetseite des BVR zu lesen.

Die Präsentation des Berichts in München hat aber auch männliche Kritiker auf den Plan gerufen, die von einer Quote wenig halten und lieber für spezifische Frauenprogramme plädieren …
Diese Art von Kritik ist symptomatisch. Es gibt sie natürlich, die Angst mancher Männer, auf Privilegien verzichten zu müssen. „Entwicklungshilfe“ für Frauen wäre ihnen lieber als Umverteilung. Doch darum geht es ja: um das Aufbrechen gemütlich verkrusteter Strukturen!

Gibt es frauenspezifische Probleme in der Branche?

Es geht um ein gesamtgesellschaftliches Problem – und um GELD!!! Da möchte ich gerne Tatjana
Turanskyj zitieren: “It´s the economy, stupid! …
Die Ökonomie ist nicht geschlechtsneutral. Fürs Filme machen braucht man Geld. Ein Regieauftrag ist auch ein Arbeitsverhältnis. Die von uns ermittelten Zahlen kommen einem Berufsverbot gleich. Das ganze ist auch ein Arbeitskampf!“

Sollte bei einer Förderentscheidung bzw. einer Auftragsvergabe nicht das Projekt statt das Geschlecht im Vordergrund stehen?

Wie wunderbar wäre, wenn Qualität entscheiden würde, nicht das Geschlecht! Genau das ist unser Ziel!
Doch so lange wir über eine stillschweigende Bevorzugung der männlichen Regisseure sprechen, so
lange sprechen wir noch nicht von der Freiheit der Kunst! Bei einer Förderentscheidung bzw. einer Auftragsvergabe spielt doch nicht nur die “Qualität” eine Rolle, die sich ohnehin sehr schwer objektiv beurteilen lässt, da funken doch all diese anderen Faktoren hinein: Herkunft, Bekanntheitsgrad, Netzwerke, Festhalten an „Bewährtem“, Einschaltquoten, …

Jutta Brückner schreibt zur Auftragsvergabe beim Fernsehen: „Niemand grenzt [die Frauen] bewusst aus. Es steckt kein Plan dahinter, kein böser Wille und keine offene Misogynie. Aber ein Bündel von unbewussten Vorentscheidungen und zähen, eingefahrenen Reflexen führt dazu, dass einem Produzenten
(oder auch einer Produzentin) partout keine Frau einfällt, wenn er oder sie die Posten der Regie besetzt. Männer sind einfach sichtbarer. Sie werden von der Hierarchie begünstigt, und von der Herrschaft einer anderen Quote, der Zuschauerquote, an die schon seit langem viele Programmentscheidungen delegiert wurden.

Diese misst nur, ob der Fernseher eingeschaltet ist, aber nicht, wer und ob überhaupt jemand zusieht. Im Gegensatz zu dieser Quote ist eine Quote für Regisseurinnen ein rationales und gut begründetes Instrument. Und spätestens seit der Haushaltsabgabe (auch Zwangsabgabe genannt) wächst zumindest bei den öffentlichen-rechtlichen Anstalten der Legitimierungsdruck.

Wenn die Haushaltsabgabe eine Demokratieabgabe ist, wie Jörg Schönenborn, damals Chefredakteur, jetzt Programmdirektor des WDR, vollmundig sagte, lässt sich die Übermacht der Männer im Fernsehen nicht mehr rechtfertigen. Da Gleichheit sich offensichtlich nicht von selbst durchsetzt, muss ihr jetzt auf die Sprünge geholfen werden.

Beim Fernsehen sollte die Quote beginnen. Das Fernsehen ist im Bereich der Bewusstseinsindustrie in Deutschland der größte Arbeitgeber. Ohne seine Hilfe wird kaum ein Kinofilm gemacht, denn die meisten Filmförderungen schreiben die Beteiligung des Fernsehens an einem Filmprojekt vor. Hier können wir einen Arbeitskampf führen.“ (faz-blog, Ich. Heute. 10 vor 8., 24.10.2014)

Im Mai findet der Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig, im Juni der Filmsommer des Filmverbandes Sachsen statt. Werden Sie in Sachsen eine Veranstaltung durchführen und für ihr Anliegen werben?

Sehr gerne stellen wir uns und unser Anliegen in Leipzig und Sachsen vor. Es wäre uns eine große Freude, wenn Sie uns mit den jeweiligen Veranstalter* innen bekannt machen würden.

Vielen Dank!

www.mariamohr.de

Das Interview »Das Nadelöhr des Filmemachens« ist im AUSLÖSER 1/ 2015 erschienen.

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