Archive | November, 2015

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Preisträger

Posted on 01 November 2015 by b.s.m.

„An diesem Film führt kein Weg vorbei!“ – so das Voting der Jury zum 26. Filmfest in Dresden: „Die traumatische Biographie eines Menschen findet in einer eigenwilligen Ästhetik die konsequente Zusammenführung von Thema und filmischen Mitteln. Die Regisseurin schafft damit die ungewöhnliche Verschmelzung von Dokumentarischem und Experimentellem. Eine Tour de Force, die nicht Erzählbares zum verstörenden Kinoerlebnis macht.“ Mit diesen Worten der Jury gewinnt Susann Maria Hempel in Dresden erst den Goldenen Reiter der Jugendjury und dann den Förderpreis der sächsischen Kunstministerin. Susann Maria Hempels experimenteller Film ist „ein Hybrid aus vielen filmischen Formen der Narration, Experiment und Dokumentation ineinander verzahnt und wie ein Perpetuum Mobile scheinbar spielerisch ineinander übergehend miteinander in Dialog treten lässt.“, so Katrin Küchler vom FILMFEST DRESDEN.

Filmfest Dresden
Förderpreis der Kunstministerin: Sieben Mal am Tag beklagen wir unser Los und nachts stehen wir auf, um nicht zu träumen

preistraeger-dresden-2015

Es kreisen wirre Gedanken in Form eines wild gewordenen Andachtsbuches. Es sind die Gedanken von Herrn P., einem thüringischem EU-Rentner, die sich immer wieder um die erfahrene Schutzlosigkeit und Versehrtheit drehen. In Form von Interviews zeichnet Susann Maria Hempel die Gespräche mit Herrn P. von 2009 bis 2011 in Greiz auf. Diese Gespräche sind das Fundament, nie aber Bestandteil des Films. Schockierend diskret spricht und schreibt Susann Maria Hempel für Herrn P. Sie fasst für ihn in Worte und Bilder, was er die ganze Zeit zu fassen versucht, ihn aber die Fassung verlieren lässt, findet Formen, um Ordnung bemüht, aber ungelenk, sie nicht findend: wie Herr P. von Mitinhaftierten zusammengeschlagen wird, bei dem Versuch sich für die Jugendlichen hinter Gittern einzusetzen, die von eben diesen misshandelt wurden; wie den Ärzten ein Kunstfehler unterläuft und Herr P. gegen seinen Willen sterilisiert wird und sich doch eigentlich Kinder wünscht; Heimkinder aufnimmt, von denen er geschlagen wird, das Gerücht entsteht Herr P. hätte sie misshandelt; ein Freund, der doch kein Freund ist und vereinsamt.

Die Tonspur lässt auf vermeintliche Glücksmomente in Herrn P.s Leben schließen, nur um dann als Lug und Trug entlarvt zu werden: „SIEBEN MAL AM TAG… ist der Film gewordene Alptraum über das zum Alptraum gewordene Leben, P.: »Das ist das Rest meines Lebms, das weess ich ganz genau! Un das is halt für mich so’n Gefühl wie: Na das kann ja e Scheiss wer’n!«“ (Museen Böttcherstraße, Bremen)

Zum 26. Filmfest Dresden 2014 erhielt der Film zwei Goldene Reiter, schließlich räumte er auf dem Osnabrücker European Art Festival den EMAF-Medienkunstpreis der deutschen Filmkritik ab und auf den 60. Kurzfilmtagen Oberhausen den Preis für den Besten Beitrag des deutschen Wettbewerbs.

 

Der Artikel »Preisträger“« ist im  Auslöser 3/ 2014 erschienen.

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