BASISSTUDIE FILMLAND SACHSEN

Posted on 21 Juni 2016 by christian_zimmermann

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Grafik: TRNDLB

Wie sieht es eigentlich aus, das Filmland Sachsen?

Diese Frage motivierte uns zu unserer BASISSTUDIE FILMLAND SACHSEN. Wir setzen uns für die Interessen dieses Filmlands ein und bemühen uns, es stetig weiterzuentwickeln. Dass diese Filmlandschaft am besten auf dem Nährboden eines leistungsfähigen und wirtschaftlich starken Filmschaffens gedeiht, ist für uns dabei eine Selbstverständlichkeit. Mit dieser Studie wollten wir eine erste Bestandsaufnahme ermöglichen. Zunächst ist es das erklärte Ziel der BASISSTUDIE FILMLAND SACHSEN, eine den gesamten Freistaat umfassende und sowohl quantitativ wie qualitativ tiefgreifende Informationsbasis speziell zum Zustand der Filmbranche in Sachsen zu erarbeiten. Die Beurteilung vonseiten sächsischer Filmschaffender, Produktionsunternehmen und Filminstitutionen der Situation des sächsischen Filmschaffens in wirtschaftlicher Hinsicht und der daraus resultierenden privaten und finanziellen Lage, mit der Frage, welche Förder- und Finanzierungsinstrumente genutzt werden, sowie die Untersuchung der Standortfaktoren, stellen den Fokus der Untersuchung dar. Ermöglicht wird ein scharfer und unverzerrter Blick auf die Situation der frei agierenden Filmemacher und -produzenten sowie ihre Probleme und Perspektiven. Es wurden bereits verschiedene Studien in diesem Bereich durchgeführt. Allerdings liegen sie mehrere Jahre zurück und erfassen den Bereich des Films nur am Rande, etwa der Kulturwirtschaftsbericht Sachsen von 2008 oder auf lokaler Ebene die Studie zur Medien- und Kreativwirtschaft in Leipzig von 2010. Im Rahmen der BASISSTUDIE FILMLAND SACHSEN wurden von März bis September 2015 sächsische Unternehmen mittels Onlinefragebogen um Auskunft gebeten. Insgesamt haben 223 Personen an der Umfrage teilgenommen. Die Antworten von 58 Teilnehmern gingen nicht in die Auswertung ein, da die von ihnen erstellten Datensätze zu lückenhaft waren, um eine valide Auswertung zu ermöglichen. Somit wurden die Datensätze von 165 Beteiligten ausgewertet.

 

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Sachsen als Medienstandort

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Es bestätigt sich, dass die Standorte Leipzig und Dresden Zentren des Film- und Medienschaffens sind. Chemnitz und der ländliche Raum nehmen hingegen nur eine untergeordnete Rolle ein. Dies scheint insofern verwunderlich, als der Ballungsraum Chemnitz / Zwickau in anderen Bereichen der sächsischen Wirtschaft eine signifikant wichtigere Rolle spielt, sind hier doch starke und große Unternehmen ansässig. Weiterhin zeigt sich, dass in Leipzig deutlich mehr Selbständige und Freelancer tätig sind. Dies ist in erster Linie mit der durch den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) gegebenen Auftragssituation sowie den höheren Umsätzen bei Leipziger Unternehmen zu begründen. Während in Dresden der MDR mit dem Landesfunkhaus Sachsen sowie der Tochterfirma MCS ansässig ist, ist in Leipzig der MDR mit seiner Zentrale sowie weiteren acht von insgesamt 14 Tochterfirmen angesiedelt.

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Regionale Unterschiede

Der größte und leistungsstärkste Standort der Film- und Fernsehbranche in Sachsen ist Leipzig, sowohl den Umsatz- als auch den Mitarbeiterzahlen nach. Hier sind anteilig die meisten Unternehmen ansässig. Mit seinem zentralen Standort hat der MDR als größter Auftraggeber und Partner der Filmbranche in Sachsen prägende Auswirkungen auf die Strukturen der Branche. Die Präsenz der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM) führt hier zudem zu einer Verdichtung des Kinofilmschaffens. Weiterhin spielen die Reportage und der fiktionale Film für diese Regionen eine tragende Rolle. Das zweite bedeutende Zentrum ist die Landeshauptstadt Dresden. Anhand der Gesamtübersicht der Arbeitsbereiche und der Einzelauswertung zeigt sich, dass Dresden seinen Schwerpunkt in den Bereichen Animationsfilm, der in Dresden eine lange Tradition hat, sowie im Bereich des Kurzfilms und im kommerziellen Bereich der Werbefilmwirtschaft hat. Dresden ist als Standort weniger stark vom MDR als Auftraggeber geprägt als Leipzig. Die ländlichen Räume, aber auch der Ballungsraum Chemnitz / Zwickau / Plauen verfügen nur über vereinzelte Unternehmen der Film- und Fernsehbranche.

Unternehmerische Struktur und wirtschaftliche Situation

Die sächsische Filmbranche ist insgesamt kleinund mittelständisch geprägt. Der weit überwiegende Teil der Unternehmen generiert Umsätze unter einer Million Euro und beschäftigt weniger als zehn versicherungspflichtig angestellte Mitarbeiter. Nur ein minoritärer Anteil liegt jeweils darüber. Die Branche beschäftigt allerdings neben den fest angestellten noch erheblich mehr freischaffende Mitarbeiter, diese jedoch immer für jeweils einzelne Produktions- und Projektvorhaben und für deren Dauer. Ein ausreichend großer, vielfältiger und qualifizierter Pool solcher Freischaffenden ist Grundlage und wichtiges Instrument der Arbeit der Unternehmen. Ein belastbares aber auch alarmierendes Ergebnis der Studie ist, dass ein belegbarer Anteil der Unternehmen so geringe Umsätze (weniger als 17.500,00 Euro) realisiert, dass sie unter die steuerliche Kleinunternehmerregelung fallen. Ebenso deuten die Gewinn-Verlust Häufigkeiten auf oftmals prekäre wirtschaftliche Verhältnisse hin. Immerhin geben im Schnitt fast so viele der Befragten, die dazu überhaupt eine Aussage machen, an, regelmäßig keine Gewinne oder sogar Verlust zu erwirtschaften.

Grafik: TRNDLB

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Standortfaktoren

Sächsische Filmschaffende identifizieren sich mit ihrer Heimat. Deutlich zeigt sich, dass sie die Attraktivität Sachsens insgesamt überwiegend positiv bewerten. Anhand der abgefragten Standortfaktoren ist dies in erster Linie der Dichte des kulturellen Angebots geschuldet. Gerade für kreative Berufe ist das Kulturangebot von elementarer Bedeutung für die eigene Arbeit und das Wohlbefinden. Darüber hinaus entfalten die Situation am Immobilienmarkt und die günstigen Mietpreise für Gewerberäume im Innenstadtbereich eine positive Wirkung. Andere Standortfaktoren werden deutlich kritischer betrachtet. So werden die Bereiche der Interessenvertretung durch Kammern und Verbände, der Mangel an Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, das Absatzpotential, der Mangel an Fördermöglichkeiten sowie das Kompetenzniveau der Banken im Bereich Filmfinanzierung als Standortnachteile genannt. Auch der MDR wird als Auftraggeber und Partner überwiegend negativ gesehen. Hier wünschen sich Freelancer wie Unternehmer ein größeres Engagement bei Auftragsvergabe und Projektentwicklung seitens des Senders. Speziell in Dresden wird das dort ansässige MDR-Landesfunkhaus dafür kritisiert, dass es in zu geringem Maße Produktionsaufträge an unabhängige Produktionsunternehmen vergibt. Diese im Rahmen der Befragung vorgebrachten Klagen sind faktisch auch durch die Zahlen in den Produzentenberichten belegt, die der MDR für die Jahre seit 2012 veröffentlicht hat.

Neuansiedlung von Unternehmen im Freistaat

Die Zahl der Neuansiedlungen und Gründungen von Unternehmen in der Film- und Fernsehbranche ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen – auf jeweils nur eine pro Jahr seit 2013. Auch wenn angenommen würde, dass weitere junge Unternehmen noch nicht so in die Umfeldstrukturen eingebunden sind, um von der Studie erreicht zu werden, weist diese dennoch eine klare Tendenz aus. Einerseits findet offenbar eine Konsolidierung der etablierten Unternehmen statt, auf der anderen Seite scheinen junge Filmschaffende derzeit nur bedingt Anreize für Firmenneugründungen zu finden. Dagegen nimmt die Anzahl von Freischaffenden stetig zu. Sie sind jedoch strukturell deutlich weniger in der Region verhaftet und im Schnitt wirtschaftlich deutlich weniger leistungsfähig und haben aus diesen Gründen insgesamt einen geringeren Strukturentwicklungseffekt als gewerbliche Unternehmen. Die Studie legt den Schluss nahe, dass zur nachhaltigen Entwicklung der Filmbranche in Sachsen neue, speziell auf die im Freistaat angesiedelte Branche zugeschnittene Förderinstrumente erforderlich sind. Diese sollten sowohl die Stärkung und Vergrößerung bestehender Unternehmenseinheiten als auch die Ansiedlung und Gründung neuer zum Ziel haben.

Zukunftsaussichten sächsischer Filmschaffender

Sächsische Filmschaffende schauen überwiegend positiv in die Zukunft. Den ambivalent beurteilten Standortfaktoren und den vergleichsweise geringen Umsätzen und Gewinnen zum Trotz geben die Befragten ein überwiegend positives Stimmungsbild für die Geschäftsaussichten in den nächsten Jahren ab. Die vorliegenden Informationen bilden im besten Sinne die BASIS für die Vertiefung und Weiterführung der STUDIE. Ziel wird es dann sein, die Gesamtlandschaft zusammenzuführen und im bundesweiten Vergleich zu betrachten. Diese erste Stufe wurde durch das besondere Interesse und die finanzielle Unterstützung der Ämter für Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Dresden und der Stadt Leipzig ermöglicht. Eine erste öffentliche Präsentation der Daten wird Teil des Programms zum 9. FILMSOMMER SACHSEN am 16. Juni 2016 in Leipzig sein.

  1. Es beteiligten sich mit MCS GmbH und MCA GmbH zwei Tochterunternehmen des MDR.
  2. Darunter: AG Kurzfilm, dresdner schmalfilmtage, FILMVERBAND SACHSEN, Internationales Filmfestival Schlingel.
  3. Freelancer sind in wechselnden, oft nicht lückenlos aufeinander folgenden Auftrags- und Arbeitsverhältnissen tätig,
    die immer zeitlich begrenzt sind.

Der Text »BASISSTUDIE FILMLAND SACHSEN« ist von Claudia Reh und Joachim Günther und im AUSLÖSER 2/ 2016 erschienen.

Die Studie wurde beim 9.FILMSOMMSER SACHSEN am 16. Juni 2016 in Leipzig vorgestellt. Die Unterlagen mit Grafiken der Präsenation können hier über das Online Publishing Portal ISSUU gelesen und heruntergeladen werden.

 

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