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Anleitungen zum Crowdfunding

Posted on 22 Juni 2016 by christian_zimmermann

Handbücher und Dokumentarfilm bereichern insbesondere durch ihre Beispiele.

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Über Filme und Freunde

Posted on 08 Mai 2015 by b.s.m.

Ohne Worte kommt kein Film auf die Welt: Schauspieler reden in einer Sprache, die sich ein anderer für sie ausgedacht hat. Das Gerüst der Handlung entsteht durch die Inspiration eines Drehbuchautors. Oft tritt dieser mit Beginn der Dreharbeiten in den Schatten, weil jetzt ein Team den Entscheidungen der Regie folgt. Die Welt ist voll von enttäuschten Filmautoren. Wolfgang Kohlhaase ist keiner.

Er ist Jahrgang 1931, Berliner, geschätzt und respektiert vor der Wende und nach der Wende. 23 Kinofilme, zwölf Fernseh- und Dokumentarfilme. Häufig kommen ihm Drehbuchangebote ins Haus. Manche macht er mit Sorgfalt zu seiner Sache, viele lehnt er ab, weil er sich für ein Thema nicht zuständig fühlt oder nicht genug Vergnügen verspricht. Er überlegt sich gut, mit wem er Filme macht – zuletzt mit Clemens Meyer (Romanvorlage) und Andreas Dresen (Regie): „Als wir träumten“ läuft im Wettbewerb der Berlinale 2015.

9783355018258

„Filme machen ist gesellig, im Guten wie im Bösen.“ Der Satz steht im Buch „Um die Ecke in die Welt“. Wolfgang Kohlhaase hat deutsche Filmgeschichte, aber keine Autobiografie geschrieben. Der Filmhistoriker Günter Agde konzentrierte sich auf ein Nebenwerk: auf Reden, die Kohlhaase hielt, und auf Texte, die keine Filme werden sollten. Es muss Arbeit gemacht haben, das Material – über Jahrzehnte und zwei Gesellschaftsordnungen in Archiven und privaten Schubladen
verstreut – überhaupt zu finden.

Das Buch teilt Kohlhaases Schreiberleben in zwei Hälften: Die erste, die öffentliche, sind Gedanken über eigene und fremde Filme, es sind Danksagungen wie die für den Goldenen Bären und den Deutschen Filmpreis oder Interviews. Die zweite, die privatere Stimme, spricht über Freunde, oft bei Trauerfeiern. Beide Sammlungen folgen der Chronologie. Man sollte das Buch von vorne nach hinten lesen. Wer nur blättert, wird um den Gewinn gebracht, der Entwicklung der Sprache und der historischen Bilanz von Kohlhaase zu folgen. Bei Kriegsende ist er vierzehn. Er schreibt „Volontör“ – er hat das Wort nur ungefähr im Ohr – als er 1947, mit sechzehn Jahren, eine Bewerbung an alle
Berliner Zeitungen schickt.

Der „Start“, eine Jugendzeitschrift – der Chefredakteur ist 24 – nimmt den rothaarigen Jungen in blau gefärbten Militärhosen, druckt seine Geschichten und Filmkritiken. Agde hat Beispiele für Kohlhaases freche Phase aufgenommen, wie die über „Der Engel mit der Posaune“ mit Paula Wessely: „Im Laufe des Films wird sie fast achtzig Jahre. Dem Zuschauer wird die Zeit nicht ganz so lang.“ Aber da schreibt einer auch schon mit tiefem Ernst, wie bei Wanda Jakubowskas Film „Die letzte Etappe“ über die Frauen im KZ Auschwitz.

Günter Agde hat Reden von Wolfgang Kohlhaase auf DDR-Filmkongressen und ähnlichen Veranstaltungen in das Buch aufgenommen. Man liest sie immer noch mit Gewinn. „Denken geht wie Licht in alle Richtungen.“ „Kleine Vorgänge können Großes vermelden.“ „Wer genau hinsieht, bringt nicht nur frohe Kunde.“, „Mittleres Talent ist seiner Achtung wert. Mittleres Gewissen nicht.“ Es sind Sätze gegen die Phraseure aus verschiedenen Zeiten. Am besten lernt der Leser den Autor bei den Texten über Menschen kennen, denen er nahe stand. Der über seinen Vater ist der schönste. Sein Sohn wünschte ihm am Grab, „dass man einmal zur Probe leben könnte und dann noch mal
richtig“.

Der Text ist von Regine Sylvester und im AUSLÖSER 1/ 2015 erschienen.

Wolfgang Kohlhaase, „Um die Ecke in die Welt. Über Filme und Freunde“.
Herausgegeben von Günter Agde, Verlag Neues Leben, 2014, 332 Seiten, 19,99 Euro

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„Die Nimmersatten“ über das System ARD und ZDF

Posted on 18 Februar 2013 by b.s.m.

Der Medienjournalist Hans-Peter Siebenhaar, hauptberuflich für das Handelsblatt tätig, nutzt die Diskussion um den Rundfunkbeitrag, in dem er versucht, mit seinem Buch ‚Die Nimmersatten‘ die Fehler des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems öffentlich anzuprangern. Mit Beispielen der Geldverschwendung, Selbstbedienungsmentalität, In-effizienz, Intransparenz und politischer Einflussnahme versucht er nachzuweisen, dass sich „Deutschland das teuerste und ineffizienteste Rundfunksystem weltweit leistet.“ Dabei bleibt Siebenhaar überwiegend bei Beispielen, die bereits in den vergangenen Jahren von sich reden gemacht haben. Auf etwa 200 Seiten sind diese Beispiele aufgeführt, weitere sieben Seiten sind für Vorschläge zur Verbesserung des Fernsehens mit weniger Geld vorgesehen.

dms

DIE NIMMERSATTEN von Hans-Peter Siebenhaar, Eichborn-Verlag

Viele Mitarbeiter öffentlich-rechtlicher Programme trauen sich verständlicherweise nicht aus der Deckung, aber sie kennen Siebenhaars Details aus ihrer täglichen Arbeit. Sie haben einiges zu verlieren. Einen festen Arbeitsplatz etc. Jetzt haben die Mitarbeiter von ARD und ZDF allerdings in Hans-Peter Siebenhaars schonungslos offener und zeugengestützter Analyse eine gebündelte und unbestechliche Beschreibung ihrer innerbetrieblichen Zustände gefunden, die die Öffentlichkeit und Gebührenzahler erreicht.

Über 7 Milliarden EUR nimmt die GEZ für die öffentlich-rechtlichen Sender pro Jahr ein. Was geschieht damit? Siebenhaar listet die ihm zugänglichen Proportionen auf, die eher an Disproportionen erinnern: Wie viele Mittel bekommen Innenpolitik, Außenpolitik, Sport oder besser Fußball, Kultur usw., sind Intendanten- und Direktorenposten Erbhöfe? Statt Jauch, Pilawa & Co. und deren Firmen überdimensioniert zu entgelten, Struves Altenteil zu vergolden, sollten ARD und ZDF beständig Nachwuchs entdecken und fördern und jungen Mitarbeitern Planungs- und Lebenssicherheit geben. Quoten können Orientierung geben, sind aber keine heiligen Kühe. Warum die Inflation von Krimis und Überzahl an Talkrunden mit oft eingeschränkt
rotierender Gästeschar? Wozu Digitalkanäle, die 90 Millionen EUR pro Jahr kosten und im Verhältnis kaum wahrnehmbare Zuschauerzahlen erreichen? Der ehrenwerte Ernst Elitz redet Tacheles. Wann folgen die anderen? Für die Leser des „Auslöser“ auch aufschlussreich, wie Frau Wille dem Autor begegnet.

Siebenhaar zitiert Schopenhauer: „Das Geld gleicht dem Seewasser. Je mehr davon getrunken wird, desto durstiger wird man.“

Also bitte keine italienischen oder amerikanischen Medienverhältnisse, sondern mehr Sendungen und Programme von unbestrittener Qualität wie Frontal 21, der Tagesschau, Report, die heute-show, DLR und DLF, SWR 2, BR Klassik, rbb-kulturradio, WDR 3, der Kinder-kanal, arte, 3sat, 3 nach Neun, die fleißigen Regionalprogramme u.v.a. Es gibt sie noch, die guten Sendungen. Sinnvoll auch Siebenhaars Blick zum ORF.

Bleibt abzuwarten, inwieweit all die vom Autor sehr kompakt dargestellten und kritisch hinterfragten finanziellen und anderen Verfilzungen, überhöhte Intendantengehälter im Vergleich zu Bundeskanzlerin und Bundespräsident, aufgeblasene Verwaltungsstrukturen und im Gegensatz dazu überbelastete Redakteure, ver-schwenderisch angelegte Formate, Doppelstrukturen und unterlassene Kontrollmechanismen Eingang in die Debatte finden und daraus Konsequenzen gezogen werden.

Interessiert hätte noch, welchen Einfluss die Einführung des Privatfernsehens und Privatradios seit den 80ern auf die Herausbildung oder Verkümmerung von Werten in unserer Gesellschaft genommen haben. Aber das ist ein neues Kapitel.Wenn wir jedenfalls davon ausgehen, dass viele von Siebenhaars Feststellungen zutreffen, Verbraucher wieder als Menschen definiert werden, Kompetenz und Mitarbeiterführung gefragt sind statt Vetternwirtschaft und Leiter nicht zu Geschäftsführungen mutieren, dann haben wir in der Medienlandschaft der Bundesrepublik im öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine neue Baustelle, aber auch eine Zukunft. Zu System und Programmauftrag, das ist klar, gibt es keine Alternative – dennoch sind seriöses Niveau, wertorientierte Prioritäten und Staatsferne immer wieder neu und auf der Höhe der Zeit zu verteidigen. Eine Aufforderung und Herausforderung an demokratische Parteien, kompetente Anstaltsräte und Kontrollgremien. Und ganz nebenbei – Island verfügte früher mal über einen fernsehfreien Tag… (von Michael Lachmann)

 

„Die Nimmersatten“
Die Wahrheit über das System ARD und ZDF
von Hans-Peter Siebenhaar, Eichborn-Verlag,
ISBN 978-3-8479-0518-9,  Preis: 14,99 EUR
www.luebbe.de/Eichborn

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