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Filmtips
Die Kinostarts im April 2002
von SIEGLINDE HAMACHER
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Wieder ein Meisterwerk von Szabó
Taking Sides - Der Fall Furtwängler
Der Film zeichnet wahre Ereignisse bei Kriegsende 1945 in Berlin nach. Ein Film von István Szabó (Regie)
Darsteller: Harvey Keitel als Steve Arnold, Stellan Skarsgard als Wilhelm Furtwängler, Moritz Bleibtreu als Lieutenant Davis Wills, Birgit Minichmayr als Emmi Straube.
Deutschland, Frankreich 2001,105 Minuten
Der amerikanische Major Steve Arnold hat den Auftrag, zu beweisen, dass der berühmte Dirigent Wilhelm Furtwängler mit den Nazis kollaboriert hat.
Dabei geht der Major äußerst grob vor, Zwischentöne sind ihm fremd. Der sensible Künstler Furtwängler dagegen nimmt es mit den Tatsachen nicht genau, er beruft sich auf seine künstlerische Aufgabe und leugnet Kontakt zu den Nazi-Machthabern ab.
Verständnis für Furtwängler hat der sowjetische Oberst Dymshitz (Oleg Tabakow), der eigene Erfahrungen mit dem Leben in einer Diktatur hat. Er schätzt Furtwängler als Musiker und möchte, dass dieser im sowjetisch besetzten Berlin arbeiten kann. Der Russe bietet dem amerikanischen Major sogar an, Furtwängler gegen andere Nazi-Kollaborateure zu tauschen. Aber Major Arnold läßt sich auf diesen Handel micht ein und sammelt weiter Beweise für seine Anschuldigungen.
Zwei moralische Ansichten prallen aufeinander: Furtwängler, der glaubt, daß man in der Diktatur Kompromisse machen darf und auf der anderen Seite der Ankläger, der kompromißlos bis zum Äußersten geht um die Wahrheit zu finden..
Als Zuschauer wechselt man während des Films die Seiten. Mal kann man den Ankläger, mal Furtwängler verstehen. Szabó hat den Film so inszeniert, dass man als Betrachter selbst entscheiden muss, ob man das Verhalten von Furtwängler in der Nazizeit tolerieren kann oder nicht.
Ein Meisterwerk hat Szabó geschaffen, das man sich unbedingt ansehen muss! Dazu hervorragende schauspielerische Leistungen der Darsteller.

Monsoon Wedding - eine indische Hochzeitit
Seit langem wieder ein indischer Film, der bei den Filmfestspielen in Venedig 2001 als Bester Film mit dem ?Goldenen Löwen? ausgezeichnet wurde und für den Golden Globe als bester ausländischer Film nominiert wurde.
Wir erleben erst die Vorbereitungen zu einer Hochzeit, wie vieles schief geht und die Heirat zu platzen droht, wie es letztlich aber zu einer farben- und sinnenfrohen Vermählung kommt. Mit zahlreicher Verwandtschaft aus Nah und Fern treffen Menschen nicht nur aus verschiedenen Generationen aufeinander, auch die traditionelle und die moderne Kultur Indiens erzeugen Reibungspunkte. Trotz einiger Zwischenfälle endet schließ- lich das große Fest in einem sinnestrunkenen Finale.
Der Film hat Schauwert und wer indische Musik liebt, sollte sich eine Kinokarte kaufen.
Indien, 116 Minuten, Kinostart 18. April 2002
Regie: Mira Nair
DVD ist im Januar 2003 erschienen: Monsoon Wedding .

Nicht von dieser Welt
Ein Film von Guiseppe Piccioni (Mitautor und Regie)
Der Film stellt zuerst mehrere Menschen im heutigen Mailand vor: Caterina, die sich für ein Leben als Ordensschwester entschieden hat. Ernesto, der eine Wäscherei betreibt. Teresa, eine junge Frau, die sich im Leben noch keinen Platz erobert hat. Ein Polizist und noch andere.
Diese Personen haben vorerst nichts miteinander zu tun, aber als Caterina im Park von einem Mann ein ausgesetztes Baby in die Arme gedrückt bekommt, beginnen die einzelnen Fäden zusammenzulaufen.
Caterina begibt sich auf den langen beschwerlichen Weg, die Mutter zu finden. Dabei wird der Wäschereibesitzer einbezogen, verwickelt, bis er glaubt, sogar hofft, selbst der Vater zu sein...
Ein Streifen zwischen Drama und Komödie. Er wurde 1999 zum besten italienischen Film gewählt und danach weiterhin mit Preisen überhäuft. Der Film ist sehr emotional bis sentimental, er erzählt von Liebe und Leidenschaft. Wer etwas Herz erwärmendes braucht, sollte ihn sich ansehen.
Italien 1999, 100 Minuten,
Bundesstart im Dezember 2001

Tattoo
Ein Film von Robert Schwentke (Buch und Regie)
Tattoo, ein richtig harter Krimi. Spannend und unter die Haut gehend.
Hauptkommissar Minks (Christian Redl) und sein junger Assistent müssen einen mysteriösen Fall aufklären. Mehrere Ermordete sind nicht nur grausam verstümmelt, sie haben auch alle ein gemeinsames Merkmal: ihnen wurden große Stücke der Haut entfernt. Die beiden Ermittler decken einen Sumpf aus Blut und Gewalt auf, schauen in tiefe Abgründe menschlicher Begierden.
Neben Christian Redl als Hauptkommissar und August Diehl (Assistent), die besonders beeindruckende Leistungen zeigen, runden Darsteller wie Nadeshda Brennicke, Monika Bleibtreu und Gustav-Peter Wöhler das hervorragende Ensemble ab.
Wer nicht zu zart beseitet ist und nicht zu schwache Nerven hat, sollte sich diesen Krimi nicht entgehen lassen.
Deutschland 2002, 108 Minuten, FSK 16,
Kinostart: April 2002

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