Filmtips


Die Kinostarts im Februar 2003

von SIEGLINDE HAMACHER

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Good bye Lenin!

Im August 1978 verfolgen der 11-jährige Alex und seine 2 Jahre ältere Schwester im Fernsehen der DDR gespannt den Start der Sojus 31. Sigmund Jähn fliegt als erster Deutscher ins Weltall. Zur gleichen Zeit erfährt Alex’s Mutter Christiane von zwei Stasi-Mitarbeitern, dass ihr Mann bei einer Dienstreise in Westberlin geblieben ist. Er hat die DDR ?verraten? und wird nie mehr zurückkehren. Die Mutter ist verzweifelt, verliert die Übersicht und muß viele Wochen in einer psychiatrichen Klinik verbringen. Aber sie erholt sich, kommt wieder nach Hause zu ihren zwei Kindern und will einen neuen Anfang finden. Mit hohem gesellschaftlichen Einsatz wird sie eine überzeugte Aktivistin des DDR-Staates, kämpft für eine gerechte und soziale Gesellschaftsordnung und vergisst dabei das Leid, das ihr durch den Verlust des Ehemannes zugefügt wurde. 11 Jahre später, im Herbst 1989, wird Mutter Christiane zum 40. Jahrestag der DDR zur Feier in den Palast der Republik eingeladen. In festlicher Stimmung und im feinen Abendkleid gerät sie in eine Demonstration, erleidet einen Herzinfarkt und fällt in ein lang andauerndes Koma. Erst 1990 wacht sie wieder auf, aber ihr Herz ist schwach, jede kleine Aufregung muß von ihr ferngehalten werden. Sohn Alex unternimmt nun alles, um seine Mutter zu retten. In der 79 Quadratmeter großen Neubauwohnung am Alexanderplatz läßt er die DDR auferstehen. Das ist nicht einfach, denn z.B. die kleine Bitte der Mutter, Spreewälder Gurken essen zu wollen, erweist sich als fast unüberwindbare Barriere. Aber Alex kämpft verbi
ssen, und ihm gelingt es sogar mit Hilfe eines Amateur-Videofilmers die ?Aktuelle Kamera? seiner Mutter weiter zu präsentieren. Die DDR am Leben zu erhalten - ein hoffnungsloser Kampf, aber Sohn Alex leistet ganze Arbeit. Der Film ist eine wahrhaft deutsche Komödie, sehr komisch und gleichzeitig bewegend, ernst und traurig. Natürlich geht es manchmal bis zu grotesken Übertreibungen und bekommt auch hier und da makabre Züge. Aber die komischen Seiten voller Herz und Witz überwiegen. Mit ?Good bye Lenin!? verabschieden wir uns lachend von der Vergangenheit und gewinnen 2 Stunden vergnügliche Filmunterhaltung.


"Good bye Lenin!“ BRD 2002,
Koproduktion mit WDR und ARTE
Kinostart: 13. Februar 2003
Regie und Co-Autor: Wolfgang Becker
nach einem Drehbuch von Bernd Lichtenberg
mit Katrin Saß als Mutter Christiane
und Daniel Brühl als Sohn Alex
Internet: http://www.79qmddr.de
Das Buch zum Film Good bye, Lenin
ist bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen.
Mit dem Preis "Der Blaue Engel" für den besten europäischen Film bei der 53. Berlinale ausgezeichnet.






Baran

Lateef hat auf einer Baustelle einen leichten Posten, er versorgt die Männer mit Tee und Essen. Als ein illegal arbeitender afghanischer Bauarbeiter bei einem Sturz aus dem 3. Stock schwer verletzt wird und die Behörden davon nichts erfahren dürfen, übernimmt dessen kleiner Sohn Rahmat die Arbeit, um die Familie weiter ernähren zu können. Aber der Junge ist viel zu zart und zu schwach für die schwere Arbeit. Der Aufseher entscheidet deshalb, dass Lateef und Rahmat ihre Aufgaben tauschen müssen. Lateef ist wütend und versucht dem Jungen das Leben schwer zu machen. Doch als Lateef zufällig entdeckt, dass Rahmat kein Junge, sondern ein wunderschönes Mädchen ist, ist er völlig vom Anblick ihrer Gestalt verzaubert. Eine zarte, aber hoffnungslose Liebesgeschichte entwickelt sich zwischen dem afghanischen Flüchtlingsmädchen Baran und dem jungen Iraner. Der Film ist aber nicht nur wegen der Liebesgeschichte sehenswert, er vermittelt auch ein hochinteressantes, informatives und gleichzeitig erschütternde Bild von der iranischen Arbeitswelt. Bei den eindrucksvollen Filmbildern kommt der Gedanke hoch, in welch satter und bequemer Welt wir hier leben und doch oft unzufrieden sind. Iranische Filme unterliegen einer strengen Zensur. Viele Filmemacher wurden wegen ?Korruption der Öffentlichkeit? angeklagt. Strikte islamische Bekleidungsvorschriften bestimmen das Bild. Frauenhaar muß immer bedeckt sein. Liebespaare dürfen sich nicht einmal an den Händen halten usw. Fertige Filme werden an eine Zensurbehörde übergeben, die Änderungen verlangen oder den Film völlig verbieten kann. Wird der Film freigegeben, bekommt er die Kategorie A, B oder C. Diese entscheidet dann über den Einsatz des Filmes und seine Zulassung in den Medien (Erinnerungen an DEFA-Film-Abnahmen werden wach). Trotz dieser Maßnahmen haben in den letzten zehn Jahren iranische Filme auf dem internationalen Markt große Erfolge erzielt. Viele wertvolle Preise wurden auf großen und wichtigen Festivals errungen.



„Baran“ Iran 2001, 95 Min
Buch und Regie: Majid Majidi
Start am 20.2.20031, Preis in Teheran und Montreal








Karlsson vom Dach

Lillebror, ein netter siebenjähriger Junge, wünscht sich einen besten Freund. Er hat Glück, denn eines Tages fliegt ein dicker, lustiger Junge mit einem Propeller auf dem Rücken zum Fenster herein. Es ist Karlsson. Der behauptet von sich, der weltbeste Karlsson zu sein. Er ist sehr dick, gefräßig und nach eigenen Angaben sehr klug. Lillebrors Geschwister und auch seine Eltern glauben nicht an die Existenz dieses fliegenden Freundes. Alle halten Lillebror für einen Träumer und Karlsson für ein Hirngespinst. Doch Karlsson wird durch seine wiederholten Besuche von Anwohnern entdeckt, und man will das Rätsel lösen, dass sich um die runde Gestalt, die über Stockholms Dächer fliegt, rankt. Zur Ergreifung von Karlsson wird eine große Belohnung ausgesetzt. Zwei Einbrecher, die herausgefunden haben, dass Karlsson jetzt auch regelmäßig bei Lillebror übernachtet, wollen sich die Belohnung sichern. Aber der kluge Karlsson ist ideenreich und alles kommt anders! Endlich mal wieder ein richtig schöner Zeichentrickfilm für Kinder im Vorschulalter. Eine gute Zeichentrickanimation ohne Spezialeffekte und sonstige technische Albernheiten. Die Fabel ist nicht nur lustig und sehr fantasievoll, sie ist vor allem geradlinig und für Kinder erkennbar und verständlich - eben eine echte Astrid-Lindgren-Vorlage. Selbst für Erwachsene wahnsinnig spannend. Also gehen Sie mit Ihren Vorschulkindern und Enkelkindern ins Kino!



„Karlsson vom Dach“
Schweden/Norwegen 20012, 76 Min, Zeichentrick
Drehbuch und Regie: Vibeke Idsee,
nach den Geschichten von Astrid Lindgren
Das Buch Karlsson vom Dach
ist im Oetinger Verlag erschienen.






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