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Filmtips
Die Kinostarts von Juni bis Juli 2003
von SIEGLINDE HAMACHER
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Matrix Reloaded (Matrix II)
Auf der Erde werden die Menschen von Maschinen unterjocht. Neo (Keanu Reeves), ein ?Auserwählter?, kämpft gegen diese Maschinen-Unterdrücker. Aber unter der Erde existiert noch die Stadt Zion, wo die Menschen frei leben können. Die Maschinen entdecken diese Stadt und bombardieren sie mit ferngesteuerten Killersonden, um sie zu vernichten. Neo und seinen Gefolgsleuten verbleiben nur wenige Stunden, um die Stadt zu retten. Produzent Joel Silver verkündete großspurig: ?Wir stellen mit ?Matrix II? die Welt des Filmemachens auf den Kopf. Nichts wird so sein wie bisher!? Diese Ankündigung hat sich voll realisiert. Nicht nur dass man 136 Minuten lang mit ohrenbetäubender Musik zugeschüttet wird, es wurden auch jegliche Formen der Dramaturgie ignoriert. Nur mit Mühe kann man ausmachen, wo das Spiel gerade stattfindet: über der Erde, darunter oder im geheimnisvollen Irgendwo. Dialoge sind auf wenige platte Sätze geschrumpft, einen Handlungsfaden zur Orientierung für den Zuschauer kann man nur schwer ausmachen. Für die 127 Mio. Dollar Produktionskosten zeigt der Film 2500 digital erstellte Einstellungen. Sicher kann man die 20-minütige Highway-Verfolgungsjagd bewundern, auch dass Neo im Kampf Pistolenkugeln im Flug stoppen kann. Aber wenn 136 Minuten die Kämpfer in ihren schwarzen Klamotten durch die Luft fliegen, nutzen sich die tollsten Effekte schnell ab. Da Inhalt, Sinn und Logik schwer zu erfassen sind, wird plötzlich ein langes Gespräch eingeschoben, wo Held Neo die Fragen erörtert: haben die Menschen Einfluß auf das, was geschieht, oder sind sie nur Teil einer großangelegten Inszenierung? Die Schauspieler haben vor Drehbeginn die Drehbücher nicht gelesen, mussten sich nur körperlich fit trainieren. Mrs. Jada Pirkett Smith (Niobe) wurde von einem Journalisten gefragt, wie der Film endet. Ihre Antwort: ?Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung!? Kommentar überflüssig.
MATRIX RELOADED (MATRIX II)
Drehbuch und Regie: die Wachowski-Brüder
Kamera: Bill Pope
Musik: Don Davis
Leitung der visuellen Effekte: John Gaeta
136 Min, seit 22. Mai im Kino, MATRIX REVOLUTION (MATRIX III) kommt im November 2003 in die Kinos. Matrix Reloaded erscheint am 10. Oktober 2003 auf DVD.
Internet: www.thematrix.de

Hero
Die Legende berichtet, dass im dritten Jahrhundert vor Christus China in sieben Königreiche gespalten war. König Oiu wollte die Herrschaft über ganz China gegen seine Konkurrenten durchsetzen und Kaiser werden.Seine Gegner ?Zerbrochenes Schwert?, ?Fliegender Schnee? und ?Himmel? schmiedeten Pläne, Oiu zu ermorden. Der Namenlose, unbesiegbarer Schwertkämpfer und berühmter Held, besucht den Palast des Königs Oiu und erzählt dem gefürchteten Herrscher eine
außergewöhnliche Geschichte...
Dieses historische Drama über Liebe und Eifersucht, Treue und Verrat, wurde für den Oscar als Bester nicht-englischsprachiger-Film nominiert und auf der Berlinale 2003 mit dem Alfred Bauer Preis ausgezeichnet. Hero zeigt nicht nur die furiosen Schwertkämpfe, die Jet Li als Namenloser mit den Feinden des Königs führt; es ist ein mitreißendes, farbenprächtiges, die Sinne einnehmendes Schwertkämpfer-Epos der besonderen künstlerischen Umsetzung. Jede Einstellung ist perfekt inszeniert. Die Filmemacher komponierten mit den farbenprächtigen, mitreißenden Kampfszenen große Bilder, erreichen damit Spannung und bleiben durch starke Stilisierung auf hohem künstlerischen Niveau. In berauschenden Kostümen und Kulissen wird die märchenhafte Geschichte in einem mit großen Stars besetzten Meisterwerk erzählt. Man sitzt im Kinosessel und kann genießen.
Hero
China, 99 Minuten, Kinostart: 5. Juni 2003
Ein Film von Zhang Yimou (Drehbuch und Regie)
mit Jet Li in der Hauptrolle als Namenloser.
Internet: www.hero-film.de

Wilbur wants to kill himself
(Wilbur will sich selbst töten)
Zwei Brüder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Der jüngere Wilbur, durch und durch pessimistisch und verzweifelt, will sich umbringen. Der ältere Harbour, optimistisch, kümmert sich liebevoll nach jedem mißglückten Selbstmordversuch um Wilbur. Harbour führt in Glasgow eine ziemlich verwahrloste Second-Hand-Buchhandlung, die die Brüder von ihrem verstorbenen Vater geerbt haben. Nach einem weiteren Selbstmordversuch sind sich das Krankenhauspersonal, der Psychiater und Bruder Harbour einig, dass für Wilburs Seelenleben eine Freundin das Beste wäre. Aber nicht Wilbur, sondern Harbour findet die Liebe seines Lebens. Es ist die äußerst schüchterne und zurückhaltende junge Alice. Die alleinstehende Mutter ist Putzfrau im Krankenhaus und versucht von Patienten vergessene und zurückgelassene Bücher in Harbours Buchladen zu verkaufen. Alice und ihre kleine Tochter Mary ziehen schon bald zu den zwei Brüdern. Harbour ist überglücklich und Wilbur findet sich auch wieder besser im Leben zurecht. Es könnte alles gut sein, wäre nicht Harbours Geheimnis, von dem der Bruder und Alice nichts ahnen. Nach dem weltweiten Kinoerfolg von Italienisch für Anfänger inszenierte Regisseurin und Autorin Lone Scherfig (mit Co-Autor Anders Thomas Jensen) nun den einfühlsamen Film über die ungleichen Brüder und deren große Liebe. Lone Scherfig setzt die Themen Tod und Leben, Glück und Unglück, sensibel in Szene. Die drei Hauptdarsteller Wilbur (Jamie Sives), Harbour (Adrian Rawlins) und Alice (Shirley Henderson) tragen zum Erfolg des beeindruckenden Films entscheidend bei. Ein sehenswerter Film.
Wilbur wants to kill himself
(Wilbur will sich selbst töten)
ein Film von Lone Scherfig (Drehbuch und Regie)
Dänisch-schottische Co-Produktion,
105 Minuten, Kinostart: 10.7.2003

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