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15. März 2017 // Sabine Kues


Portrait Christoph Iwanow

Wie Farben über die Erde hereinbrechen

Kameramann Christoph Iwanow am Set von „Love Halal“ (RAZOR FILM) 2014 in Beirut, Libanon / Foto: Stefan Hopf

Leipzig Lindenau. In einem kleinen Café sitzt der junge Leipziger Kameramann Christoph Iwanow und gönnt sich eine Verschnaufpause nach seinem letzten Dreh: „Prinz Himmelblau und Fee Lupine“ (Bremedia Produktion). Als Vorlage diente ein Märchen von Wieland, das der Regisseur Markus Dietrich unkonventionell interpretierte und das Iwanow viel kreatives Ausdruckspotential bot: „Das schöne an Märchen ist, dass man visuell sehr frei agieren kann.“ Mit den Freiheiten kamen auch die Herausforderungen, denn der Plot war mit unzähligen kleinen und großen Zaubereffekten versehen, die, rein als Visuelle Effekte (VFX) umgesetzt, das Budget bei Weitem gesprengt hätten. Trotz des Zeitdrucks am Set beschlossen daher beide, den größten Teil dieser Zaubereffekte ganz analog mit Licht, Wind und Unschärfen „in-camera“ (am Set) zu drehen. „Das schaut einerseits super aus und zum anderen konnten wir so das VFX-Budget auf die verbleibenden Effekte konzentrieren,“ resümiert Iwanow.

 

Wie er heute seine Bilder beleuchtet hat eventuell auch etwas mit seiner Begegnung mit dem Kameramann Christian Berger zu tun. 2008 hatte Berger („Das Weiße Band“, „Caché“) ihn und seine Kamerastudenten zu einem Segelausflug nach Kroatien mitgenommen. Hierbei bemerkte Iwanow, wie stark wir Farben und Texturen unterbewusst wahrnehmen. Am eindrücklichsten bleibt ihm folgende Situation im Gedächtnis: Eines nachts stiegen sie gemeinsam in völliger Dunkelheit auf die Bergkuppe einer Insel und warteten auf den Sonnenaufgang. „Es war beeindruckend zu sehen, wie die Farben über die Erde hereinbrachen und verblüffend zu bemerken, wie sehr das warme Licht unser Gemüt auf dem Rückweg aufheiterte – eine Art Steinzeit-Kino,“ beschreibt Iwanow diese Erfahrung.
Licht beeinflusst unsere Stimmung. „Emotionen zu unterstützen ist letztlich die Arbeit der Kameraleute, oder teilweise auch, dagegen zu arbeiten,“ so Iwanow. Eindrücke, Stimmungen, Farben, Kompositionen und vieles mehr sammelt er daher seit langem in Form von Fotos – Fundstücke aus dem Internet und aus dem Leben – auf Blogs. Quasi ein Katalog, den er gerne zu Rate zieht, wenn es bei ersten Gesprächen für neue Filmprojekte konkret werden soll.

 

Im ersten halben Jahr 2016 hat Christoph Iwanow auch noch für den Kinospielfilm „Magical Mystery“ (Regie: Arne Feldhusen) der Berliner Produktionsfirma RAZOR FILM durchgehend die zweite Kamera und die Steadicam geführt sowie einen Werbespot in Barcelona gedreht.

Mehr in Leipzig zu drehen, dagegen hätte er als junger Familienvater nichts einzuwenden. Dazu ist ein gutes Netzwerk unerlässlich, das er sich einerseits durch viel Arbeit aufbaut und andererseits durch Workshops, wie „Bildgespräche“ des Filmverbands im letzten Jahr. Bei diesem Workshop hat er nicht nur viel über andere sächsische Filmemacher erfahren, sondern auch über sich selbst: „Ich fand diesen Aufbau gut, dass man immer mit einem anderen Regisseur und einer anderen Story zu tun hatte. Dabei habe ich gelernt, wie ich an Drehbücher rangehe – unabhängig vom Regisseur, unabhängig vom Script.“
Fürs Leben hat Christoph Iwanow zuvor aus Filmen gelernt: Mit 16 fing er als Filmvorführer in einem kleinen Kino in seiner Geburtsstadt Dresden an. Iwanow erinnert sich, wie er Abend für Abend neben dem ratternden Projektor hockte, während die verschiedensten Einstellungen zum Leben auf der Leinwand aufflackerten. Gerade die französischen Filme der 90er hatten es ihm angetan: die waren selbstbewusst und hatten „so ein Lebensgefühl“. Neben den russischen Filmen mit ihrer Identitätssuche, überzeugten ihn auch die amerikanischen Filme mit ihrer Stärke, so Iwanow, „Stories groß zu denken“. Noch heute sind ihm diese frühen Filmerfahrungen im Gedächtnis. Inspiration findet Christoph auf ganz vielfältige Weise.

 

Aktuell beschäftigt er sich mit dem Architekten Alejandro Aravena,  dem Maler William Turner und einem alten Buch von Thomas G. Smith:  „Industrial Light and Magic – The Art of Special Effects“ in dem das „Matte Painting“ der gemalten Hintergrundbilder der ersten „Star Wars“-Filme beschrieben wird.
Und worin sollen diese gesammelten Erfahrungen und Inspirationen einfließen? Vielleicht in einen Politthriller, denn einen solchen würde er schon gerne mal drehen.

 

www.christophiwanow.de


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