SICHTBETONUNG 11

In diesem Jahr steht die SICHTBETONUNG unter dem Motto ENDE AUF.

Das Ende ist ein grundlegendes Motiv vieler Ereignisse in der Kulturgeschichte. In den alten Erzählungen steht es oft für einen unveränderlichen, ewigen Schlusspunkt (das Happy End), der wie der Abschluss einer gelungenen Arbeit die abschließend verdiente Ruhe gewährt. Doch hat das Ende meist negativere Bedeutung: Das Ende der Welt wurde oft mit einem katastrophalen Abschluss der Geschichte assoziiert, oder, räumlich gedacht, mit einem endlos in den Abgrund stürzenden Wasserfall an den Rändern der Meere. Als besonders schöpferisch angesehen wird in unserer Kultur die Stimmung der Melancholie, die mit dem Gedanken an das Ende und die Endlichkeit verbunden ist, oder gar eine Inakzeptanz hinsichtlich des Endlichen ausdrückt; eine Inakzeptanz, die dazu tendiert, uns der Gegenwart zu berauben (Yves Bonnefoy). Manche moderne Philosophen betonen, dass die Endlichkeit unseres Lebens sowie die Begrenztheit unserer Kraft und Fähigkeiten eine notwendige Voraussetzung für den Sinn unseres Handelns und unseres Lebens sind und dass ohne die Begrenztheit wir selbst keine deutlichen Umrisse hätten und nicht selbstbestimmt handeln könnten. So erscheint die Akzeptanz von Ende und Endlichkeit als Schlüssel zu seinem volleren, weiseren Leben. Ende ist jedoch nicht nur totaler Abschluss und Sackgasse, sondern bedeutet oft auch Schwelle, Beginn von etwas Anderem, etwas Unbekanntem. Das Motto „Ende auf“ gibt der Erfahrung der Schwelle eine sprachliche Geste.

Den Samstag wird vom Nachmittag bis in die Nacht mit Kunst, Performances, Konzerten, Installationen und Tanz gefüllt. Der Sonntag fällt, zum wiederholten Mal, auf den Tag des offenen Denkmals, der 2017 das Thema „Macht und Pracht“ hat – angesichts der Geschichte und Gegenwart des Geländes doch mehr als passend. Hier könnt Ihr das Zentralwerk als Baudenkmal und Erinnerungsort entdecken. Es wird die Gelegenheit genutzt, einem neuen Publikum das kreative Reichtum des Zentralwerks vorzustellen und Geschichte und Gegenwart zu verschmelzen.

www.zentralwerk.de