Bildgespräche#6 : Wovor haben wir eigentlich Angst? – Genre-Filmemachen in Deutschland

 
Genrefilme in und aus Deutschland gehörten bis vor Kurzem nicht zum deutschen Produktionsalltag. Von den Hochschulen ignoriert, von den Förderungen gemieden und von den Sendern kategorisch abgelehnt führten sie im Nachwuchs und No-Budget-Bereich ein Nischendasein.

Nun treten sie aus dem Schatten ihrer Nischen hervor: Die Genrefilmemacher:innen revolutionieren die deutsche Filmbranche.

Ein Generationenwechsel.

Der Workshop widmet sich dem in Deutschland zwar erfundenen, aber Jahrzehnte vergessenen Handwerk „das Publikum das Gruseln zu lehren“. Dabei beschäftigen wir uns primär mit den erzählerischen Möglichkeiten des HORROR-Films – werden aber auch auf Action, Thriller, Sci-Fi, Fantasy… sprich: die gesamte Bandbreite der fantastischen Genres zu sprechen kommen.

Dabei werden wir u.a. in kleinen Gruppen in einem Planspiel unseren eigenen ‚deutschen‘ Genrefilm entwickeln – von der Idee zur Präsentation, über die Finanzierung und künstlerische Umsetzung, bis hin zu Möglichkeiten der Auswertung werden wir sämtliche Entwicklungsschritte einer in Deutschland hergestellten Genreproduktion durchspielen.

Der Fokus wird dabei zunächst auf der Entwicklung und künstlerischen Gestaltung des Stoffes liegen: warum wollen wir einen Horror- bzw. ‚Genrefilm‘ drehen? Welche erzählerischen Möglichkeiten bieten uns dessen Konventionen, wie gehen wir mit der Erwartungshaltung und der Schaulust des Publikums um? Was können wir auf dem Spielfeld der Fantastik zum Ausdruck bringen, das uns in den ’seriöseren‘ Genres verwehrt bleibt? Welche Möglichkeiten haben wir, innerhalb des Genre-Erzählens unsere eigene Handschrift und unseren eigenen, spezifischen Blick auf die Welt zu formulieren?

Darüber hinaus aber auch: wer sind die möglichen Zielgruppen für unsere Filme, national wie international – und wie erreichen wir sie? Wie sehen die Produktionsrealitäten aus, und wie verändern sie sich in Zeiten von Netflix & Co?

ZEITPLAN

Tag 1
Vorstellung Dozent – Werdegang

Genrefilm – Versuch der Definition eines unscharfen Begriffes:
GENREFILM als gebräuchlicher Überbegriff für alle Unterarten des fantastischen Films (Horror, SciFi, Fantasy, Thriller, Action…)

Einfluss des Genrefilms – international
Einfluss des Genrefilms – national

Filmausschnitte/-beispiele – mitgebracht sowohl vom Dozenten als auch den Teilnehmenden:
Momente, Szenen oder Sequenzen aus Filmen, die uns in Bezug auf das Genre beeindrucken oder inspirieren (nicht länger als 5 – 7 Minuten pro Person)

Am Abend Filmscreening und anschließende Analyse.

Tag 2
Planspiel – Wir entwickeln einen Genrefilm:
Wovor haben wir eigentlich Angst?
Affektgetriebenes Erzählen
Die Sprache des Genres
Logline und Pitch als Werkzeug, die eigene Idee zu fokussieren – und zu verkaufen
Dem Fantastischen eine Gestalt geben – Umsetzung mit oftmals limitierten Mitteln
Wer soll das alles sehen? Festivals, Märkte, Streamer

(Auf Basis meiner eigenen Erfahrungen, sowohl als Autor und Regisseur unabhängiger Horrorfilme als auch als Autor ‚großer‘ Streamingserien, werde ich den Teilnehmenden beratend zur Seite stehen)

Am Nachmittag – Pitchvorbereitung

Am Abend – alle Teams präsentieren ihre Projekte

Tag 3
Zusammenfassung, Fragen und Ausblick:
Weitere Entwicklung, kreative Partnerschaften, Finanzierungsmöglichkeiten & Sender
Auswertung des Seminars & Adressenaustausch

Der Workshop wird für Filmemacher:innen (Autor:innen, Regisseur:innen, Produzent:innen, Cinematographer) empfohlen.

Die Anmeldung zum Workshop erfolgt über den Button in der Sidebox (siehe rechts)

ORT
Die Kulturfabrik Meda wurde 1907 als Teigwarenfabrik im damaligen Ort Scheibe bei Mittelherwigsdorf direkt an der Bahnlinie Zittau-Dresden in einer für diese Zeiten typischen Gründerzeitarchitektur errichtet.
Zum Abriss vorgesehen, rettete die Familie Bretschneider das denkmalgeschützte Gebäude durch die Beantragung der Rückübertragung, des ihnen 1972 durch die DDR-Regierung enteigneten Privatbesitzes.
Im August 1995 verkaufte Familie Bretschneider Grundstück und Gebäude an Thomas Pilz, der es vor dem weiteren Verfall sicherte und fortan begann zusammen mit Veronika Kirchmaier ein gemeinschaftliches Wohn- und Kulturprojekt aufzubauen.
Durch die architektonische Verbindung von Wohn- und Produktionsstätte war die MEDA immer ein Ort des Lebens und des Arbeitens.

DOZENT Till Kleinert
1980 geboren, aufgewachsen in Ost-Berlin. Zeichnet Comics, dreht als Jugendlicher mit Freunden Knetanimationsfilme. Nach dem Abitur Regiehospitant an der Volksbühne, Currywurstverkäufer am Wittenbergplatz. Im Verlauf des Regiestudiums an der dffb entstehen mehrere preisgekrönte Kurzfilme, u.a. der 2009 mit der Goldenen Lola ausgezeichnete KOKON.
Sein Abschlussfilm DER SAMURAI feiert 2014 auf der Berlinale seine Uraufführung, wird auf mehr als 100 internationalen Festivals gespielt und gewinnt unter anderem den Méliès d’Argent als Bester Europäischer Fantastischer Film. Danach gemeinsam mit Anna Stoeva Schöpfer und Headautor der Sky-Serie HAUSEN.

Neben der Entwicklung mehrerer neuer Serien bereitet Till momentan seinen nächsten Spielfilm vor, einen musikalischen Thriller, der in der Welt der Popstar-Castingshows spielt.

FILMOGRAPHIE (AUSWAHL)

2008 – COWBOY (Iris Prize – Bester LGBTQ-Kurzfilm des Jahres 2008)
2009 – KOKON (Deutscher Kurzfilmpreis in Gold 2009)
2014 – DER SAMURAI
2017 – GIRL CAVE (Funk-Serie, Regie)
2020 – HAUSEN (Sky-Serie, Schöpfer & Headautor gemeinsam mit Anna Stoeva)
2022 – TURN ON THE BRIGHT LIGHTS (AT)

IDEE
Wie mit jedem Bildgespräche-Workshop verfolgen wir aktiv das Ziel, dass sich die Teilnehmerinnen am Ende des Wochenendes für kreative Schritte in der Zukunft finden und die Basis für eine vernetzte, lebendige Filmwirtschaft gestärkt wird. Bildgespräche ist ein theoretischer Workshop, der sich auf eine gemeinsame Entwicklung von szenischen Projekten und den notwendigen Diskurs konzentriert. Der Einsatz von technischen Hilfsmitteln wird vermieden, um Utopie und Fantasie nicht zu behindern.

 

26.-28.11.2021

Kulturfabrik MEDA
Hainewalder Str. 35
02763 Mittelherwigsdorf

Für das gesamte Workshopwochenende erheben wir eine Teilnahmegebühr i.H.v. 190,00 Euro. Mitglieder des FILMVERBAND SACHSEN e. V. zahlen 100,00 Euro. Die Teilnehmendenzahl ist auf 13 Personen beschränkt.